Ein Ehrgeiz, wie ihn nur wenige in diesem Alter haben!
Wenn am Sonntagabend das Trikot mit der Nummer 9 unter das Hallendach der Brose-Arena gezogen wird und Basketball-Bamberg mit Karsten Tadda einen seiner größten Spieler würdigt, dann ist es auch für Christian Bischoff ein besonders emotionaler Moment. (Fotos: Felix Höfer)
Der 50-Jährige coachte Tadda bereits zu Jugendzeiten, erst in der Oberfranken-, dann in der Bayernauswahl und später im Bamberger Nachwuchsprogramm, das damals beim TSV Breitengüßbach angesiedelt war.
Heute arbeitet Bischoff als Persönlichkeits- und Mindsetcoach und nennt sich "Europas erfolgreichster Mindset-Coach", Hunderttausende haben seine Seminare besucht. Dem aktiven Basketball-Zirkus hat er inzwischen zwar den Rücken gekehrt, doch abgerissen ist der Kontakt zu Karsten Tadda nie. Im Interview erinnert sich Bischoff an einen besonderen Schützling.
Herr Bischoff, von 2000 bis 2006 hatten Sie Karsten Tadda unter Ihren Fittichen. Auch wenn es lange her ist: Erinnern Sie sich noch an die Anfänge?
Christian Bischoff: Sehr gut sogar. Ich weiß noch ganz genau, wie ich Karsten das erste Mal in Gundelsheim in der Halle gesehen und sofort gespürt habe, welche besondere Einstellung er an den Tag legt. Ein Ehrgeiz, wie ihn nur wenige in diesem Alter haben. Schon mit elf hatte er diese unglaubliche Fähigkeit, sich zu fokussieren. Dazu kam diese kindliche Freude am Spiel, die er sich über all die Jahre bewahrt hat. Und natürlich war sein großes Talent schon damals unübersehbar. Karsten war immer der Aufmerksamste, hat alles aufgesaugt, sich führen lassen. Auch in der Pubertät, wenn viele rebellisch werden und meinen, Dinge besser zu wissen. Diese mentale Klarheit hat ihn schon als ganz jungen Spieler ausgezeichnet. Einen großen Anteil am Erfolg hat auch sein Elternhaus, eine tolle Familie, die ihm ein stabiles Fundament geboten hat. Sein Vater Walter war mein Co-Trainer und bei allem dabei. Nach dem Training ist Karsten nach Hause, hatte dort sein gewohntes Umfeld, seine Freunde. Das haben viele Spieler, die von auswärts ins Nachwuchsprogramm kommen, nicht.
Haben Sie seinerzeit schon einen künftigen Bundesliga-Rekordspieler in ihm gesehen?
Als ich damals gesagt habe, dass es Karsten in die Bundesliga schaffen würde, hat mir das keiner geglaubt, inklusive Dirk Bauermann. Dass über zwei Jahrzehnte eine solche Karriere dabei herauskommt, Karsten zum Bundesliga-Rekordspieler wurde, in der Nationalmannschaft spielte und vielerorts seine Fußspuren hinterließ, das war natürlich so nicht abzusehen. Er hat unglaublich hart dafür gearbeitet, ob auf oder neben dem Feld. Keiner hat es mehr verdient als Karsten, so eine Karriere hinzulegen.
Was hat ihn von anderen Spielern unterschieden?
Karsten hat es sehr gut verstanden, Rollen auszufüllen. Er war nicht derjenige, der die meisten Punkte erzielen oder die meisten Rebounds holen wollte. Der Erfolg des Teams stand über allem. Er hat sich untergeordnet, unterordnen müssen, war nie der Star in seinen Teams. Im Rückblick auf die Karriere war das ein großer Vorteil.
Wie meinen Sie das?
Karsten musste sich alles erarbeiten, geschenkt wurde ihm nichts. In seinem Jahrgang gab es oft Spieler, die körperlich weiter waren, größer, besser. Denen schon früh gesagt wurde, wie toll sie doch seien, dass sie es zu einer großen Karriere schaffen könnten. Das steigt vielen zu Kopf. Bei Karsten und seinem Umfeld war das anders. Diese Kombination aus familiärem Rückhalt, harter Arbeit, seinem mannschaftsdienlichen Spiel und dem unbestrittenen Talent hat letztlich zu dieser beeindruckenden Karriere geführt, vor der man nur den Hut ziehen kann.
Sind Sie noch häufig in Kontakt?
Nach meiner Zeit in Bamberg haben sich unsere Lebenswege natürlich getrennt, lose in Kontakt sind wir aber über die Jahre geblieben. Als Karsten sein Karriereende verkündet hatte, hat er mich direkt kontaktiert. Vor einigen Monaten haben wir einen gemeinsamen Podcast aufgenommen, eine Stunde lang über seinen Weg als Profi geredet. Ich freue mich, ihn am Sonntag in der Halle bei so einem schönen Anlass endlich wieder persönlich zu treffen.
Vor der Tadda-Ehrung gibt es für die Bamberger aber noch einen wichtigen Auftrag zu erfüllen: Ein Sieg gegen Bonn könnte die Baskets bei entsprechender Konstellation noch auf Platz 2 der Hauptrunde befördern. Glauben Sie sogar an den Titel?
Das kann ich nicht beurteilen. Dafür bin ich zu weit weg. Bamberg hat sicherlich mit dem Pokalsieg und der jetzigen Platzierung schon alle Erwartungen übertroffen und kann damit völlig befreit aufspielen. Ich habe letzte Woche Bayern München gegen Alba Berlin gesehen. Berlin scheint schlagbar zu sein. Bayern München hat über eine Play-off Serie gesehen sicherlich einen sehr tiefen und ausgeglichenen Kader. Ich wünsche auf jeden Fall den Bambergern für den Rest der Saison nur das Allerbeste.
Das Interview führte Tobias Schneider vom Fränkischen Tag
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